Unterwelten – Die Berliner U-Bahn

Stammstrecke

Als Werner von Siemens 1879 auf der Gewerbeausstellung in Berlin mit seiner „Elektrischen“ die Fachwelt beeindruckte, konnte noch niemand ahnen, dass dies der Beginn der Berliner U-Bahn sein sollte. Schon am 10.Januar 1863 wurde die erste dampfbetriebene U-Bahn der Welt in London eröffnet, welche 1890 um eine elektrische Röhren-Untergrungbahn erweitert wurde. Nach abgelehnten Anträgen von 1880 und 1883 reichte die Firma Siemens & Halske 1891 erneut den Plan für den Bau einer elektrischen Hochbahn vom Stralauer Tor bis zum Zoologischen Garten ein. Am 10.09.1896 erfolgte in der Gitschiner Strasse  der erste Spatenstich für die sogenannte Stammstrecke. Die geplante Bauzeit von zwei Jahren konnte nicht eingehalten werden, da nach zähen Verhandlungen mit der Stadt Charlottenburg beschlossen wurde in der Tauentzienstraße keine Hochbahn, sondern eine Unterpflasterbahn zu bauen und diese bis zum Knie, dem heutigen Ernst-Reuter-Platz zu verlängern. Durch positive Erfahrungen mit dieser Bauweise entstand der Plan eine unterirdische Abzweigung zum Potsdamer Platz zu realisieren um jederzeit die Möglichkeit einer Verlängerung in das Berliner Stadtzentrum zu haben. Im Februar und März 1902 wurde die Stammstrecke offiziell eröffnet und im Dezember des selben Jahres bis zum Knie verlängert. Die Verlängerung bis zur Warschauer Brücke wurde schon im August in Betrieb genommen.

Die Charlottenburger U-Bahn

Der ehrgeizige Plan der Charlottenburger Bürger, anlässlich der Zweihundertjahrfeier Charlottenburgs, das am 27.05.1905 eingeweihte neue Rathaus in der Berliner Straße an die U-Bahn anzuschließen, führte zu weiteren Verhandlungen mit der Hochbahngesellschaft. Es gab jedoch schon eine Straßenbahnverbindung über die Berlinerstraße zum Rathaus. So entschieden sich die Verantwortlichen die Trasse, vom Knie unter der Bismarckstraße weiter nach Westen und dann mit einem Bogen nach Norden zum Endpunkt Wilhelmplatz, zu verlängern. Die Eröffnung dieser Strecke fand am 14. Mai 1906 statt. Die Erschliessung des Charlottenburger Westens um neue Investoren in die Stadt zu holen war ein weiteres Prestige-Objekt. Deshalb wurde schon bald eine Erweiterung der Strecke in die Planung aufgenommen. Diese sollte vom Bahnhof Bismarkstraße aus, in gerader Linie den Kaiserdamm hoch, bis zum Reichskanzlerplatz führen. Der heutige U-Bahnhof Deutsche Oper ist so zum ersten viergleisigen U-Bahnhof Deutschlands geworden. Am 29.März 1908 wurde diese Linie offiziell eingeweiht. Durch die Länge der gesamten Strecke wurde auch ein neuer Betriebsbahnhof nötig. Auf der Suche nach einem passenden Grundstück trat die preussische Forstverwaltung auf den Plan. Die Hochbahngesellschaft erwarb 14 ha Land und verpflichtete sich eine Streckenverlängerung  bis zum Grunewaldstadion und der Rennbahn Ruhleben zu errichten. Die Anbindung vom Reichskanzlerplatz zum Endbahnhof Stadion sollte vorerst nur für Betriebs- und zu Gelegenheitsfahrten bei Veranstaltungen genutzt werden. Dieser Streckenabschnitt ging im November 1913 in Betrieb. Die Station Neu-Westend wurde nur im Rohbau, also als Geisterbahnhof errichtet, da das Wohngebiet noch zu dünn besiedelt war. Erst 1922 wurde der sehr spartanisch ausgestattete Bahnhof Neu-Westend jetzt seiner Bestimmung übergeben. Diese, „Charlottenburger U-Bahn“ genannte Strecke, wurde erst im Jahr 1929 um eine Station Richtung Spandau erweitert.

Die Wilmersdorfer U-Bahn

Die Gemeinde Wilmersdorf begann um 1895 mit der baulichen Erschließung des Geländes um die heutige Bundesallee und dem Hohenzollerndamm. In wenigen Jahren waren die Gebiete entlang der Uhlandstraße bis hin zum Fehrbelliner Platz erschlossen. Daher gab es im Gemeinderat von Wilmersdorf bereits 1899 erste Überlegungen zum Bau einer Schnellbahn, die diese Wohngebiete mit dem Berliner Stadtzentrum verbinden sollte. Diese Bahn sollte ab Zoologischen Garten dem Hohenzollerndamm folgend bis zur heutigen Clayallee geführt werden. Im Sommer 1907 bot die Hochbahngesellschaft erstmalig öffentlich der Gemeinde Wilmersdorf an, die Wilmersdorfer U-Bahn am Wittenbergplatz in das Netz der Stammstrecke einzufädeln. Sie soll  in südwestlicher Richtung zunächst durch Wilmersdorf und weiter durch das geplante Rheingauviertel bis nach Dahlem führen. Generell wurde beim Bau der Wilmersdorfer U-Bahn auf eine gehobene künstlerische Ausstattung Wert gelegt. So verzichtete der Architekt Wilhelm Leitgebel zum Beispiel auf offene Stahlstützen und nackte Trägerdecken in den Bahnhöfen. Die Stützen sind mit Fliesen verkleidet und die Decken mit Kassettenstuck versehen. Auch die Zugänge strahlten mit ihren steinernen Umwehrungen eine gewisse Würde aus und distanzierten sich völlig von den Grenanderschen Standard-Eingängen der Hochbahngesellschaft. Natürlich war dies alles auch eine Antwort Wilmersdorfs auf die U-Bahnbauten der Hochbahngesellschaft und insbesondere der Nachbargemeinden. Im Vorfeld hatte es um den Bau dieser U-Bahn heftige Reibereien mit der Stadt Charlottenburg gegeben. Es ging, wie so oft, ums Geld. Wilmersdorf erhielt einen Baukostenzuschuss der Domäne Dahlem, wenn die Strecke bis an die Dahlemer Gemarkungsgrenze herangeführt würde. Die erforderliche Baugenehmigung einen Anschluss an die Stammstrecke zu erhalten, wurden von Charlottenburg so lange behindert bis die Verträge für die Ku’Damm- Linie unterschrieben waren. 1912 wurde der, von Alfred Grenander umgebaute, U-Bahnhof Wittenbergplatz in Betrieb genommen. Vom alten Bahnhof aus dem Jahre 1902 ist nichts übrig geblieben. Der neue Bahnhof verfügt über fünf Gleise, wovon zunächst nur zwei Gleise in Betrieb sind. Oberirdisch wurde eine Eingangshalle erbaut, die den Platz völlig beherrscht. Am 12.Oktober 1913 ging die Wilmersdorf-Dahlemer U-Bahn in Betrieb.

Alle Texte und Plakate:

Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbilderbuch → Ansichtskarten gibt es schon seit etwa 1827. Die hohe künstlerische Qualität des Darstellungen und des Druckes machten sie schon früh zu beliebten Gebrauchs- und Sammelobjekten. Allein in Berlin gab es 1904 – 55 Ansichtskarten Verlage!

Kunst im Stadtraum →Wenn man sich beim Gang durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmerdorf auf die Kunst konzentriert, so kann, angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Skulpturen, Gedenktafeln und Wandreliefs, der StadtRaum zum StadtTraum werden.

Künstlerwohnungen → Das Künstlerhaus St. Lukas in der Charlottenburger Fasanenstraße 13 wurde 1889/90 von Bernhard Sehring unter dem Einfluss der englischen “Studio Hauses” im Auftrag des Grafen Schaffgotsch erbaut.

Sozialer Wohnungsbau → Der Wohnkomplex Schlangenbader Straße wurde 1976 – 1982, nach den Plänen von Gerhard Heinrichs sowie Gerhard und Klaus Krebs, als Großsiedlung direkt über der Autobahn erbaut.

Parkgeheimnisse → Man muss nicht in mythologische Zeiten zurückgehen, um den Geheimnissen mancher Orte auf die Spur zu kommen. Bereits das Eintauchen in die Geschichte der letzten 200 Jahre führt zu manch interessanter Entdeckung.

Amüsement in einer längst vergessenen Epoche → Besucht man heutzutage das Gelände dieses ehemaligen Vergnügungsparks in unmittelbarer Nähe des Rathenauplatzes, lässt sich nicht annähernd erahnen, was sich hier in den Jahren 1910 bis 1933 abgespielt hat: Jubel, Trubel, Heiterkeit inmitten des damals mondänen Ortsteils Halensee.

Die ältesten Häuser → Im Jahre 1705 erhob König Friedrich I. die kleine Bedienstetensiedlung, südlich des Schlosses, zur Stadt Charlottenburg. Da die Entwicklung urbanen Lebens zu wünschen übrig ließ, verfügte der Monarch, dass jeder Handwerker, der von Aufträgen des Hofes profitiert, eine “Bürgerstelle” zu bebauen hätte.

 

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7 Gedanken zu “Unterwelten – Die Berliner U-Bahn

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