Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbilderbuch

Sehenswertes auf alten Ansichtskarten und Briefmarken

Ansichtskarten gibt es seit etwa 1872. Die hohe künstlerische Qualität der Darstellungen und des Druckes machten sie schon früh zu beliebten Gebrauchs- und Sammelobjekten. Allein in Berlin gab es 1904 55 Ansichtskarten Verlage. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass es auch heute noch eine große Auswahl an Charlottenburger und Wilmersdorfer Motiven auf alten Ansichtskarten zu entdecken gibt. In den Jahren 1949 bis 1990 hat die Berliner Postverwaltung 879 eigene Briefmarken herausgegeben. Viele von ihnen zeigen bekannte Sehenswürdigkeiten und weitere typische Motive der Stadt. In Bezug auf Charlottenburg – Wilmersdorf sind sie eine wahre Fundgrube.

Bezirksbilderbuch

Zwischen Olympiastadion und Messegelände

Westlich der ab 1866 entstandenen Villenkolonie Westend wurden zwischen 1906 und 1909 die Rennbahn Grunewald und daneben in einer Mulde des Geländes das „Deutsche Stadion“ (1912/13) vom Architekten Otto March errichtet. Nachdem die Olympischen Spiele 1916 wegen des 1. Weltkrieges abgesagt werden mussten, wurde das gesamte Gelände für die 11. Olympischen Spiele 1936 von Werner March (Sohn von Otto March) zum Reichssportfeld (dem heutigen Olympiagelände) umgestaltet.

Das Zentrum der monumentalen 130 ha. großen Anlage bildet das Olympiastadion für damals 120.000 Zuschauer (heute sind es 96.000). Daneben entstanden Maifeld, Waldbühne, Reit- und Schwimmstadion, Hockeystadion, Tennisstadion (nicht mehr erhalten) und die Unterkünfte für die Sportler. Das Olympiastadion erhielt 1974 zunächst eine Teilüberdachung, ab 2000 wurde es vier Jahre lang grundlegend modernisiert. Es ist Austragungsort nationaler und internationaler Großveranstaltungen (Fußballweltmeisterschaft 2006, Internationales Stadionfest (ISTAF) der Leichtathleten, Heimspielort von Hertha BSC,  Musik, Special und Business Events etc.). Die Waldbühne, einem antiken Theater nachempfunden, fasst 20.000 Zuschauer und ist als Freilichtbühne ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte aller Art. Das Olympia-Gelände steht heute unter Denkmalschutz.

Zwischen S-Bahnring, Avus (Nordkurve) und dem Theodor-Heuss-Platz befindet sich das Messegelände. Seinen Anfang nahm alles in den 1920er Jahren mit dem Bau des Funkturms durch den Architekten Heinrich Straumer. Der 138 m hohe Turm mit Aussichtsplattform und Restaurant sowie mit 12 m hoher Antenne, diente dem 1923 gegründeten Deutschen Hörfunk als Sendemast. Bei der Einweihung 1926 anlässlich der 3. Funkausstellung hielt Albert Einstein eine Festrede. Die monumentale Eingangshalle an der Musurenallee wurde 1935/37 von Richard Ermisch erbaut. Bei Kriegsbeginn 1939 waren es neun Hallen. Die als Ring konzipierte Anlage wurde aber erst 1971 vollendet und zählt heute mit 26 Hallen zu den modernsten Messen der Welt.

Gegenüber dem Messehaupteingang befindet sich das von Hans Poelzig erbaute und 1931 eingeweihte Haus des Rundfunks (heute SFB bzw. seit 2003 RBB). Am südlichen Rand des Messegeländes entstand 1935, ebenfalls vom Architekten Richard Ermisch, die Deutschlandhalle. Der 117 m lange Stahlbetonbau mit der elliptischen Arena für 16 000 Zuschauer wurde während des Krieges stark beschädigt, 1957 wieder aufgebaut und 1973 modernisiert. Bis 1998 war sie der Ort für alle nur denkbaren Veranstaltungen von Sport und Musik bis hin zur Politik. Seit 2004 ist sie geschlossen und soll abgerissen werden.

Grunewald Forst und Villenkolonie Grunewald

Der einst dichte und wildreiche Wald im Südwesten Berlins war ein beliebtes Jagdrevier des Kurfürsten Joachim II., der sich 1542 ein Jagdschloss an einem der vielen Seen errichten ließ und es „Zum grünen Wald“ nannte, wodurch Grunewald und Grunewaldsee zu ihrem bis heute gültigen Namen kamen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus dem Jagdrevier des Adels ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner Bürger. Sie kamen mit Pferdekutschen, Kremsern oder zu Fuß und ab 1877 auch mit der Ringbahn (Bhf. Halensee) oder Eisenbahn (Bhf. Grunewald). Als Ziele lockten vor allem die zahlreichen Seen, das Havelufer mit der Halbinsel Schildhorn sowie Dachsberg und Karlsberg, auf denen man eine herrliche Aussicht über die Havel und den Wald genießen konnte, besonders nachdem 1899 auf dem Karlsberg der 55 Meter hohe Kaiser-Wilhelm-Turm (heute Grunewaldturm) erbaut worden ist. Es gab unzählige Ausflugs- und Vergnügungslokale. 1904 eröffnete das Etablissement „Terrassen am Halensee“, das ab 1910 Teil des berühmten „Lunaparks“ wurde.

Durch die Verlängerung und den Ausbau des Kurfürstendamms zur Prachtstraße ab 1883 – eine Idee Bismarcks – erhielt die „Kurfürstendamm-Gesellschaft“ 1889 eine 235 ha. Großes Waldgelände südlich des Halensees, um dort eine Villenkolonie zu errichten. Die nach Rodung und Entwässerung angelegten, zum Teil riesigen Parzellen stießen bei den Wohlhabenden Berlins auf großes Interesse. Unter anderem auch, weil außerhalb Berlins weniger Steuern zu zahlen waren. Unter den neuen Besitzern waren viele berühmte Berliner Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Finanzwelt und Wissenschaft, deren hochherrschaftliche Villen und Landhäuser bis heute das Bild der Villenkolonie prägen. Als 1920, im Zuge der Entstehung Groß-Berlins, die Zusammenlegung mit der Gemeinden Schmargendorf und der Stadt Wilmersdorf erfolgte, zählte die Kolonie 6449 Einwohner. Alle drei zusammen bildeten den 9. Verwaltungsbezirk Wilmersdorf von Groß-Berlin mit nunmehr 158.000 Einwohnern.

Zur gleichen Zeit entstand entlang der Bahnstrecke nach Potsdam die Avus, eine aus zwei parallel verlaufenden jeweils 8,5 km langen Richtungsfahrbahnen sowie Nord- bzw. Südkurven bestehenden Automobil-Versuchs- und Übungsstrecke, die 1921 eingeweiht wurde. Bis zum letzten Avus-Rennen vergingen 77 Jahre. In dieser Zeit fanden hier u.a. auch Formel-1-Rennen statt, mit vielen berühmten Fahrern und Geschwindigkeitsrekorden. Die Strecke ist heute Teil der Bundesautobahn und der Stadtautobahn (seit 1971) und dient nach 1998 nur noch als schnelle Ausfallstraße in den Berliner Süden. Mehr als 80 Jahre nach der Entstehung Groß-Berlins ist der Grunewald und die ehemalige Villenkolonie (heute Ortsteil Grunewald) im Zuge der Verwaltungsreform von 2001 Teil des Doppelbezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Alle Texte und Plakate:

Kunst im Stadtraum →Wenn man sich beim Gang durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmerdorf auf die Kunst konzentriert, so kann, angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Skulpturen, Gedenktafeln und Wandreliefs, der StadtRaum zum StadtTraum werden.

Künstlerwohnungen → Das Künstlerhaus St. Lukas in der Charlottenburger Fasanenstraße 13 wurde 1889/90 von Bernhard Sehring unter dem Einfluss der englischen “Studio Hauses” im Auftrag des Grafen Schaffgotsch erbaut.

Unterwelten → Als Werner von Siemens 1879 auf der Gewerbeausstellung in Berlin mit seiner “Elektrischen” die Fachwelt beeindruckte, konnte noch niemand ahnen, dass dies der Beginn der Berliner U-Bahn sein sollte.

Sozialer Wohnungsbau → Der Wohnkomplex Schlangenbader Straße wurde 1976 – 1982, nach den Plänen von Gerhard Heinrichs sowie Gerhard und Klaus Krebs, als Großsiedlung direkt über der Autobahn erbaut.

Parkgeheimnisse → Man muss nicht in mythologische Zeiten zurückgehen, um den Geheimnissen mancher Orte auf die Spur zu kommen. Bereits das Eintauchen in die Geschichte der letzten 200 Jahre führt zu manch interessanter Entdeckung.

Amüsement in einer längst vergessenen Epoche → Besucht man heutzutage das Gelände dieses ehemaligen Vergnügungsparks in unmittelbarer Nähe des Rathenauplatzes, lässt sich nicht annähernd erahnen, was sich hier in den Jahren 1910 bis 1933 abgespielt hat: Jubel, Trubel, Heiterkeit inmitten des damals mondänen Ortsteils Halensee.

Die ältesten Häuser → Im Jahre 1705 erhob König Friedrich I. die kleine Bedienstetensiedlung, südlich des Schlosses, zur Stadt Charlottenburg. Da die Entwicklung urbanen Lebens zu wünschen übrig ließ, verfügte der Monarch, dass jeder Handwerker, der von Aufträgen des Hofes profitiert, eine “Bürgerstelle” zu bebauen hätte.

 

 

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