Kunst im Stadtraum

Wenn man sich beim Gang durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmerdorf auf die Kunst konzentriert, so kann, angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Skulpturen, Gedenktafeln und Wandreliefs, der StadtRaum zum StadtTraum werden.

Aufträge für Skulpturen und Denkmäler gab es schon zu Zeiten der preußischen Könige, viorwiegend in der alten City bzw. der heutigen neuen Mitte. Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit für Denkmäler, bald auch in den Vororten Berlins. Politische Demokratisierung und rationale Baumaßnahmen führten in den zwanziger Jahren zu einer Abkehr von Denkmälern und Hinwendungen zu Skulpturen. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage der Künstler nach dem Ersten Weltkrieg entstand von Seiten der Künstlervertretung die Idee von „Kunst am Bau“. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Kunst der öffentlichen Gebäuden allerdings zu propagandistischen Zwecken und zur selbstdarstellung des Regimes genutzt oder verkam zur volkstümlichen Dekoration. Vieles wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört, Bronzeskulpturen wurden eingeschmolzen und erst später nach Originalvorlagen wieder hergestellt.
Der Wiederaufbau brachte neue Aufträge. Bei öffentlichen Bauvorhaben wurde ein Prozentsatz der Baukosten für Kunst bereitgestellt. Die vorherrschende abstrakte Kunst in den fünfziger und sechziger Jahren spiegelte sich auch in den Skulpturen wieder, z.B. die „Stahlplastik“ Hans Uhlmanns vor der Deutschen Oper oder die „Flamme“ von Bernhard Heiliger am Ernst-Reuter-Platz. Ihre relativ homogene Formensprache wurde im Zeitalter der Postmoderne erweitert durch andere Gestaltungsprinzipien, wie figurativ, realistisch, mythisch oder abstrakt, um nur einige zu nennen. In den achziger Jahren verstärkte sich die theoretische Diskussion um die Funktion von Kunst im öffentlichen Raum. Diese sollte mehr als bisher standortbezogen sein, nicht mehr als autonomes Ausstellungsstück dastehen, sondern historischen,stadträumlichen, architektonischen und soziologischen Bezug zum Umfeld haben. Der neu entwickelte Begriff „Kunst im öffentlichen Raum“ war differenzierter als das alte Kunst-am-Bau-Konzept. Besondere Popularität erlangten die Brunnenprojekte der siebziger und achziger Jahre z.B. Schmettaus Weltkugelbrunnen auf dem Breitscheidplatz.
Im Zuge des städtischen Wandels, bei dem die Innenstädte immer mehr ihre Attraktion als urbane Lebensräume einbüßen, verschafft „Kunst im öffenlichen Raum“ wieder belebende und anziehende Komponenten. Folglich wird sie verstärkt in städtebauliche Planungen einbezogen und auf diese Weise konzeptioneller Teil z.B. von Platzgestaltungen. Die Gemeinden haben das Potenzial erkannt, daß mit Hilfe der Kunst die Attraktivität der Region gesteigert wird und dies dazu beiträgt den Tourismus zu fördern.
In jüngster Zeit nimmt Kunst vorwiegend Bezug zur regionalen oder überregionalen Geschichte und Kultur. Zum Beispiel „Brücken der Begegnung“ von Christian Günther Behrens aus dem Jahre 2005. Eine vielköpfige Bronzefigur, die in verschiedenen Bezirken Berlins und auch in anderen Städten steht. Sie soll das gegenseitige Verstehen und Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft symbolisieren.

Alle Texte und Plakate:

Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbilderbuch → Ansichtskarten gibt es schon seit etwa 1827. Die hohe künstlerische Qualität des Darstellungen und des Druckes machten sie schon früh zu beliebten Gebrauchs- und Sammelobjekten. Allein in Berlin gab es 1904 – 55 Ansichtskarten Verlage!

Künstlerwohnungen → Das Künstlerhaus St. Lukas in der Charlottenburger Fasanenstraße 13 wurde 1889/90 von Bernhard Sehring unter dem Einfluss der englischen “Studio Hauses” im Auftrag des Grafen Schaffgotsch erbaut.

Unterwelten → Als Werner von Siemens 1879 auf der Gewerbeausstellung in Berlin mit seiner “Elektrischen” die Fachwelt beeindruckte, konnte noch niemand ahnen, dass dies der Beginn der Berliner U-Bahn sein sollte.

Sozialer Wohnungsbau → Der Wohnkomplex Schlangenbader Straße wurde 1976 – 1982, nach den Plänen von Gerhard Heinrichs sowie Gerhard und Klaus Krebs, als Großsiedlung direkt über der Autobahn erbaut.

Parkgeheimnisse → Man muss nicht in mythologische Zeiten zurückgehen, um den Geheimnissen mancher Orte auf die Spur zu kommen. Bereits das Eintauchen in die Geschichte der letzten 200 Jahre führt zu manch interessanter Entdeckung.

Amüsement in einer längst vergessenen Epoche → Besucht man heutzutage das Gelände dieses ehemaligen Vergnügungsparks in unmittelbarer Nähe des Rathenauplatzes, lässt sich nicht annähernd erahnen, was sich hier in den Jahren 1910 bis 1933 abgespielt hat: Jubel, Trubel, Heiterkeit inmitten des damals mondänen Ortsteils Halensee.

Die ältesten Häuser → Im Jahre 1705 erhob König Friedrich I. die kleine Bedienstetensiedlung, südlich des Schlosses, zur Stadt Charlottenburg. Da die Entwicklung urbanen Lebens zu wünschen übrig ließ, verfügte der Monarch, dass jeder Handwerker, der von Aufträgen des Hofes profitiert, eine “Bürgerstelle” zu bebauen hätte.

 

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