Amüsement in einer längst vergessenen Epoche

Der Luna-Park

Besucht man heutzutage das Gelände dieses ehemaligen Vergnügungsparks in unmittelbarer Nähe des Rathenauplatzes, lässt sich nicht annähernd erahnen, was sich hier in den Jahren 1910 bis 1933 abgespielt hat: Jubel, Trubel, Heiterkeit inmitten des damals mondänen Ortsteils Halensee.

Alles hatte einmal recht harmlos angefangen. Maurermeister und Bauunternehmer Carl Postel errichtete um 1877 eine provisorische „Badebude“ direkt am See. Nach dem Abriss des Badehäuschens nahm 1882 das „Wirtshaus am Halensee“ den Betrieb auf und war bereits von einigen kleinen Karussells und Schießbuden umgeben. Gastwirt Carl Sauger, der Gastronom August Aschinger und Bernhard Hoffmann, ehemaliger Küchenchef bei Kempinski, fügten in den folgenden Jahren weitere Wein-und Bierlokale hinzu: Die „Terrassen am Halensee“ waren geboren. Vorbild war „Coney Island“ in New York. Seit Pfingsten 1904 hatte Berlin damit ein beliebtes Ausflugsziel mehr. Das gesamte Gelände (100.000 m2) wurde letztendlich in einen Vergnügungspark verwandelt. Die von nun an „Luna-Park“ genannte Lokalität eröffnete am 14. Mai 1910 offiziell ihre Pforten. Massen von Menschen strömten seitdem zum Halensee, um sich durch Attraktionen wie „Shimmytreppe“, „Hippodrom“, „Gebirgsbahn“, „Lachhaus“, „Bayerndorf“, „Somali-Dorf“, „Wellenbad“, Eiserner See“, „Taucherstation“, „Affen-, Katzen- und Hunde-Dressurtheater“, „Ballfontaine“ und „Raupenbahn“ begeistern lassen. Hier fanden alle Ablenkung vom Alltag im kaiserlichen, deutsch-preußischen Obrigkeitsstaat. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 stellte auch der Luna-Park seinen Betrieb ein, um militärisch-sanitär genutzt zu werden. Erst 1920 ging es weiter am Halensee. Auch in dieser wirtschaftlich schweren Zeit behielt der Park seine geradezu magische Anziehungskraft. Jazzbands spielten auf und Max Schmeling boxte. Nach der Machtergreifung der Nazis präsentierteman hier „völkisches Kulturgut“, was beim Publikum allerdings nicht auf große Resonanz stieß. 1934 wurde das Ende des Luna-Parks besiegelt, indem man diesen „Schandfleck“ zugunsten eines Zubringers für das geplante neue Olympiastadion abriss.

Rennbahn Grunewald

Zwei große Vorhaben prägten das Bild des nördlichen Grunewalds ab 1900: die Rennbahn Grunewald und das Deutsche Stadion.

Im Jahre 1906 pachtete der Pferdesportverein „Union Club“ ein 70 Hektar großes Gelände nördlich der Döbritzer Heerstraße. Beauftragt mit dem Bau einer Rennbahn wurde der Architekt Otto March (1845-1913), dessen Konzept ein olympisches Stadion innerhalb der Pferderennbahn vorsah. An der feierlichen Eröffnung der „Rennbahn Grunewald“ am 23. Mai 1909 nahmen mehr als 40.000 Zuschauer teil, einschließlich der kaiserlichen Familie. Die Anlage selbst hatte prächtige Tribünen und einen „Kaiserpavillon“ mit Freitreppe und Vorhalle. Während die Freunde des Reitsports nun ihr neues Mekka in Anspruch nehmen konnten, verzögerte sich aufgrund ungesicherter Finanzierung der Bau des Stadions weiterhin. Erst als es gelang, den „Union Club“ zur Bereitstellung von über zwei Millionen Mark zu bewegen, konnte die Ausrichtung der Olympischen Spiele für das Jahr 1916 an Berlin vergeben werden. 1912 begannen dann die ersten Baumaßnahmen, und schon am 8. Juni 1913 fand in Anwesenheit des Kaiserpaares die Weihe des „Deutschen Stadions“ statt. Eine 600 m lange Aschenbahn, außen begleitet von einer Radrennbahn, umgab ein Fußballfeld mit angrenzenden Turnflächen. Ein 100 m langes Schwimmbecken mit eigener Tribüne befand sich auf der nördlichen Längsseite. 26.910 Zuschauer fanden hier genug Platz. Zugang zur Arena hatte man durch einen Tunnel, der unter der Pferderennbahn hindurchführet. March erlebte die Einweihung selbst nicht mehr. Die olympischen Spiele fielen aufgrund des Weltkrieges aus. Ab Ende 1914 nur als Reserve-Lazarett genutzt, fanden ab 1916 hier „Kriegsmeisterschaften“ und auch nicht-sportliche Großveranstaltungen statt. Der Sohn des Erbauers, Werner March, errichtete nach dem Kriege auf dem Gelände der Rennbahn die Bauten des deutschen Sportforums für die „Hochschule für Leibesübungen“. Nach 1933 gestaltete er an der Stelle der alten Arena und der Rennbahn Grunewald das „Reichssportfeld“.
Heute existieren vom „Deutsche Stadion“ nur noch der Tunnel und einige Wände in dessen Nähe. An die Rennbahn Grunewald erinnert hingegen nichts mehr.

Alle Texte und Plakate:

Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbilderbuch → Ansichtskarten gibt es schon seit etwa 1827. Die hohe künstlerische Qualität des Darstellungen und des Druckes machten sie schon früh zu beliebten Gebrauchs- und Sammelobjekten. Allein in Berlin gab es 1904 – 55 Ansichtskarten Verlage!

Kunst im Stadtraum →Wenn man sich beim Gang durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmerdorf auf die Kunst konzentriert, so kann, angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Skulpturen, Gedenktafeln und Wandreliefs, der StadtRaum zum StadtTraum werden.

Künstlerwohnungen → Das Künstlerhaus St. Lukas in der Charlottenburger Fasanenstraße 13 wurde 1889/90 von Bernhard Sehring unter dem Einfluss der englischen “Studio Hauses” im Auftrag des Grafen Schaffgotsch erbaut.

Unterwelten → Als Werner von Siemens 1879 auf der Gewerbeausstellung in Berlin mit seiner “Elektrischen” die Fachwelt beeindruckte, konnte noch niemand ahnen, dass dies der Beginn der Berliner U-Bahn sein sollte.

Sozialer Wohnungsbau → Der Wohnkomplex Schlangenbader Straße wurde 1976 – 1982, nach den Plänen von Gerhard Heinrichs sowie Gerhard und Klaus Krebs, als Großsiedlung direkt über der Autobahn erbaut.

Parkgeheimnisse → Man muss nicht in mythologische Zeiten zurückgehen, um den Geheimnissen mancher Orte auf die Spur zu kommen. Bereits das Eintauchen in die Geschichte der letzten 200 Jahre führt zu manch interessanter Entdeckung.

Die ältesten Häuser → Im Jahre 1705 erhob König Friedrich I. die kleine Bedienstetensiedlung, südlich des Schlosses, zur Stadt Charlottenburg. Da die Entwicklung urbanen Lebens zu wünschen übrig ließ, verfügte der Monarch, dass jeder Handwerker, der von Aufträgen des Hofes profitiert, eine “Bürgerstelle” zu bebauen hätte.

 

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