Parkgeheimnisse

Man muss nicht in mythologische Zeiten zurückgehen, um den Geheimnissen mancher Orte auf die Spur zu kommen. Bereits das Eintauchen in die Geschichte der letzten 200 Jahre führt zu manch interessanter Entdeckung. es gibt so viele überraschende Details, dass die Auswahl nicht leicht fällt. deshalb sind die beiden hier dargestellten Geschichten lediglich als Anregung gedacht, damit sich der Betrachter selbst auf Spurensuche begibt.

Parkgeheimnisse

Lietzensee Park

Alle, die je diesen Park besuchten, sprechen von einer ganz besonderen Atmosphäre, die sie nur hier erlebt haben. Viele Sagen und Legenden ranken sich um die Entstehung des Lietzensees. In allen diesen Geschichten geht es um ein Dorf, das vor langer Zeit im Lietzensee versunken ist. Eine dieser Legenden endet endet damit, dass manchmal bei sonnigem Wetter vom See her das Glockenspiel der alten Dorfkirche zu hören ist. Aber – nur Kinder können es hören!
Die Gegend um den Lietzensee war schon zur Steinzeit besiedelt, wie archäologische Funde belegen. Erst mit der Entwicklung Charlottenburgs zur Stadt, wurde dieses Gebiet aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Der preußische General Wilhelm von Witzleben ließ sich 1824, am Westufer des Sees, eine Sommerresidenz und einen Landschaftspark nach Plänen des berühmten Gartengestalters Peter Joseph Lehne‘ errichten. Nach seinem Tode 1837 verkaufte die Familie den Witzlebenpark und das Haus an den Kunstgärtner und Forschungsreisenden, Ferdinand Deppe. Unter seinen Händen wurde der Park zum Meisterwerk. Er betrieb eine bedeutende Rosen- und Dahlienzucht und kultivierte zahlreiche, für die damalige Zeit exotische, Pflanzen. Der Park war so berühmt, das er 1855 im „Führer durch Berlin“ als Sehenswürdigkeit empfohlen wurde. Nach dem Tode Deppes 1861 verwilderte der Park. Erst 1896, zur Berliner Gewerbeausstellung, gab der Besitzer das Gelände für kurze Zeit zur Besichtigung frei. Die Begeisterung über die Naturschönheiten der Anlage war so groß, dass sich ein Verein bildete, der den Park kaufte, um ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1920 erhielt er dann durch den Charlottenburger Stadtgartendirektor, Erwin Barth, seine uns heute bekannte Gestalt, wobei Teile des von Lenne‘ und Deppe gepflanzten Baumbestandes erhalten blieb. Diese Bäume sind also über 150 Jahre alt!
Für den, der sich schon immer fragte, warum der Lietzensee „Lietzensee“ heißt, gibt es zum Schluss eine Antwort: Die Blässhühner, die den See so zahlreich bevölkern, trugen im Volksmund den heute vergessenen Namen „Lietzen“.

Volkspark Wilmersdorf

Wenn man Heute im Volkspark Wilmersdorf spazieren geht, ahnt man nicht, dass es vor nicht einmal 100 Jahren hier einen See gab, an dessen Ufern sich eine Badeanstalt und ein Vergnügungslokal befanden.
1879 hatte der durch Grundstücksverkäufe reich gewordene Wilmersdorfer Geschäftsmann Otto Schramm das südliche Ufer des Sees gekauft. Bald kamen zu Badebuden und Rutschbahn noch ein Bootsverleih, Verkaufs- und Spielbuden sowie ein großer Kaffegarten mit Tanzfläche hinzu.
Das Lokal „Schramm“ war sowohl für die Nachbarorte als auch für das große Berlin ein beliebtes Ausflugsziel. Hier gab’s Musik und Tanz, hin und wieder sogar ein Feuerwerk. Im Winter konnte man auf dem See eislaufen und sich anschließend bei Glühwein und Punsch aufwärmen. Die Verkehrsanbindung war seit den 1880er Jahren ideal. Der Wilmersdorfer See lag zwischen zwei Bahnhöfen des S-Bahnrings: im Osten Bahnhof Wilmersdorf (heute Bundesplatz), im Westen Bahnhof Schmargendorf (heute Heidelberger Platz).
Der See, ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, war durch einen Graben mit der kleinen Grunewaldseenkette verbunden. Als man 1887 diesen Graben zuschüttete, wurde der See von der Wasserzufuhr abgeschnitten. Die fortschreitende Verschmutzung des Wassers und allmähliche Verrottung und Verladung blieb auch für das „Schramm“ nicht ohne Folgen.
Außerdem war die Konkurrenz groß, denn es gab in Berlin und den Vororten viele Garten- und Vergnügungslokale. Otto Schramm starb 1902. Sein Etablissement konnte sich noch bis 1914 halten, wahrscheinlich unter der Leitung seiner Tochter Hildegard.
Heute erinnert an Otto Schramm noch die Schrammstraße, die damals zum Seeufer führte und seit 1902 seinen Namen trägt. Die parallel zum Volkspark verlaufende Hildegardstraße ist seit 1895 nach seiner Tochter benannt. An der Schrammstraße entstand 1926/27 der sogenannte Schrammblock, eine U-förmige Wohnanlage, deren Innenhof terrassenartig zum Volkspark hinabführt.
Ab 1915 wurde der See zugeschüttet. Die Pläne für den Volkspark konnten erst Anfang der 30er Jahre durch Wilhelm Riemann in Angriff genommen werden. Er gestaltete den mittleren Teil der Anlage. Der Bereich zwischen Kufsteiner Straße und Kaiserallee (heute Bundesallee) war bereits 1912 von Richard Thieme als Landschaftspark mit wertvollem Baumbestand gestaltet worden. 1960 wurde der Park mit Liegewiesen, Skulpturen, Spiel- und Sportplätzen und Blumenanlagen umgestaltet.
Nach heftigen Regenfällen bildet sich regelmäßig im mittleren Teil des Parks eine große Wasserfläche als einzige Erinnerung an den ehemaligen See.

Alle Texte und Plakate:

Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbilderbuch → Ansichtskarten gibt es schon seit etwa 1827. Die hohe künstlerische Qualität des Darstellungen und des Druckes machten sie schon früh zu beliebten Gebrauchs- und Sammelobjekten. Allein in Berlin gab es 1904 – 55 Ansichtskarten Verlage!

Kunst im Stadtraum → Wenn man sich beim Gang durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmerdorf auf die Kunst konzentriert, so kann, angesichts der Vielzahl unterschiedlichster Skulpturen, Gedenktafeln und Wandreliefs, der StadtRaum zum StadtTraum werden.

Künstlerwohnungen → Das Künstlerhaus St. Lukas in der Charlottenburger Fasanenstraße 13 wurde 1889/90 von Bernhard Sehring unter dem Einfluss der englischen “Studio Hauses” im Auftrag des Grafen Schaffgotsch erbaut.

Unterwelten → Als Werner von Siemens 1879 auf der Gewerbeausstellung in Berlin mit seiner “Elektrischen” die Fachwelt beeindruckte, konnte noch niemand ahnen, dass dies der Beginn der Berliner U-Bahn sein sollte.

Sozialer Wohnungsbau → Der Wohnkomplex Schlangenbader Straße wurde 1976 – 1982, nach den Plänen von Gerhard Heinrichs sowie Gerhard und Klaus Krebs, als Großsiedlung direkt über der Autobahn erbaut.

Amüsement in einer längst vergessenen Epoche → Besucht man heutzutage das Gelände dieses ehemaligen Vergnügungsparks in unmittelbarer Nähe des Rathenauplatzes, lässt sich nicht annähernd erahnen, was sich hier in den Jahren 1910 bis 1933 abgespielt hat: Jubel, Trubel, Heiterkeit inmitten des damals mondänen Ortsteils Halensee.

Die ältesten Häuser → Im Jahre 1705 erhob König Friedrich I. die kleine Bedienstetensiedlung, südlich des Schlosses, zur Stadt Charlottenburg. Da die Entwicklung urbanen Lebens zu wünschen übrig ließ, verfügte der Monarch, dass jeder Handwerker, der von Aufträgen des Hofes profitiert, eine “Bürgerstelle” zu bebauen hätte.

 

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6 Gedanken zu “Parkgeheimnisse

  1. Pingback: Kunst im Stadtraum | Tom. Fotoblog

  2. Pingback: Künstlerwohnungen | Tom. Fotoblog

  3. Pingback: Unterwelten – Die Berliner U-Bahn | Tom. Fotoblog

  4. Pingback: Amüsement in einer längst vergessenen Epoche | Tom. Fotoblog

  5. Pingback: Die ältesten Häuser | Tom. Fotoblog

  6. Pingback: Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbilderbuch | Tom. Fotoblog

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