Schiffshebewerk Niederfinow

Das Schiffshebewerk Niederfinow ist das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Es wurde am 21. März 1934 in Betrieb genommen und liegt am östlichen Ende des Oder-Havel-Kanals in Niederfinow/Brandenburg.
„Die Höhe des Hebewerks beträgt 60 Meter, die Länge 94 Meter und die Breite 27 Meter. Zur Überwindung des Höhenunterschieds von 36 Metern benötigt der Trog fünf Minuten. Die Gesamtdauer einer Schleusung beträgt 20 Minuten. Das Schiffshebewerk besteht aus einer 14.000 Tonnen schweren und mit fünf Millionen Niete zusammengehaltenen Stahlkonstruktion, die auf Stahlpfeilern steht. Gegründet wurde das Bauwerk mit stahlbewehrtem Beton, der bis zu 22 Meter tief eingebracht wurde. Die Grundplatte ist vier Meter dick. Der Oder-Havel-Kanal wird mit einer ebenfalls genieteten Trogbrücke mit einer Masse von 4000 Tonnen an das Oberhaupt des Hebewerkes herangeführt. Der mit Wasserfüllung 4290 Tonnen schwere Trog ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2,50 Metern. Er hängt hier an 256 Stahlseilen (Durchmesser 52 mm), die über Umlenkrollen (Durchmesser 3,50 Meter, Masse jeweils fünf Tonnen) geführt mit 192 Ausgleichsgewichten aus Beton mit einem Gewicht von ebenfalls 4290 Tonnen den Trog ausbalancieren. Um die wandernde Seillast der Stahlseile zu eliminieren, werden vier Seilgewichtsausgleichsketten verwendet. Die Sicherheit der Führung an den Seilen wird durch eine Spannvorrichtung erreicht, bei der die Hälfte der Seile den Trog tatsächlich trägt und die andere Hälfte ungespannt als Reserve mitgeführt wird.
Den symmetrischen Antrieb über eine Triebstockverzahnung realisierte man mit Gleichstrommotoren, die ihrerseits mit einer Ringwelle untereinander verbunden sind. Durch diese Anordnung wird synchrones Drehen der vier Triebstockritzel erreicht. Die Motoren haben eine Leistung von je 55 Kilowatt und werden von einem Leonardumformer (Wechsel- zu Gleichstrom) versorgt. Weiterhin werden vier vertikal am Trog montierte Gewindewellen („Drehriegel“) angetrieben, die ihrerseits je in ein geschlitztes Innengewinde („Mutterbackensäule“) entlang des Fahrweges des Troges eingreifen. Dabei handelt es sich um eine Sicherung gegen Abstürzen oder Hochgerissenwerden des Troges bei Seilbrüchen bzw. Auslaufen des Troges. Das Gewinde hat im Normalfall Spiel. Erst bei einer Havarie stützen sich die Drehriegel im Muttergewinde ab: gegen unten beziehungsweise gegen oben.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schiffshebewerk_Niederfinow

Fotografien: Thomas Gielow, Oktober 2011

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