Spandauer Zitadelle – Renaissancefestung in Berlin

Die Zitadelle Spandau ist eine der bedeutendsten und besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance in Europa. Trotz mancher Beschädigungen und Zubauten vermittelt sie noch heute einen Eindruck davon, wie man sich im 16. Jahrhundert vor Feinden zu schützen versuchte. Die ältesten Teile der Burganlage stammen aus dem Mittelalter, der Juliusturm, das Wahrzeichen Spandaus, datiert aus dem frühen 13. Jahrhundert und könnte das älteste Gemäuer im Stadtgebiet sein; der älteste Profanbau ist er auf jeden Fall.

Schon zu slawischen Zeiten war die Mündung der Spree in die Havel eine militärisch bedeutsame Stelle, zumal hier eine Überquerung der Havel möglich war. Archäologen haben Reste einer slawischen Burg ergraben, die im 12. Jahrhundert, nach der Machtübernahme der Askanier, durch eine steinerne Festung ersetzt wurde. 1197 ist erstmals ein Vogt Eberhard von Spandau genannt. Die Markgrafen hielten sich oft in der Burg Spandau auf und förderten die angrenzende Kaufmannssiedlung nach Kräften.

Das in den Jahren 1559 bis 1594 an Stelle einer mittelalterlichen Burg errichtete Festungsbauwerk liegt nord-östlich der Spandauer Altstadt am gegenüberliegenden Havelufer. Neben der Zitadelle befinden sich in Spandau noch weitere zur Festung Spandau gehörende Bauwerke wie das erst 1886 erbaute Fort Hahneberg im Ortsteil Staaken, die Burgwallschanze und Reste der Teltower Brückschanze am Schanzenwald/Elsgraben.

Die Entscheidung, die Burg nach modernsten Gesichtspunkten der Festungsbaukunst auszubauen, fiel auf dem Landtag in Spandau 1559. Begründet wurde er vom Kurfürsten mit dem Schutz der Spandauer Bürger und seines Hofstaats im nahen Berlin. Die Pläne stammten von Francesco Chiaramella de Gandino, erster Bauleiter war Christoph Römer, ehe der Italiener selbst den Bau übernahm. Vollendet wurde er 1594 unter Graf Rochus zu Lynar.

Bautechnisch entsprach die Zitadelle der damaligen Idealvorstellung. Kernfigur ist ein Quadrat, an dessen Ecken vier spitzwinklige Bastionen angesetzt sind: König, Kronprinz, Brandenburg und Königin. Das Kurtinen-Viereck besitzt eine Kantenlänge von 208 × 195 Metern. Durch die Anordnung der Bastionen gab es keine toten Winkel, in denen sich Angreifer hätten verstecken können.

Der Juliusturm, benannt nach dem Schwiegersohn Joachims II., Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, diente als Bergfried, als letzter Zufluchtsort der Burg; sein Zinnenkranz ist eine Zutat von Schinkel. Lange Jahre diente er als Verlies für Staatsgefangene, bis 1918 wurde hier unter strenger Bewachung der „Reichskriegsschatz“ gelagert, Reparationsgelder Frankreichs nach dem Krieg 1870 / 71. Der angrenzende Palas, das eigentliche Wohngebäude, stammt aus dem 15. Jahrhundert (mindestens zwei Vorgängerbauten sind nachgewiesen).

Die Festung ist von einem Wassergraben umgeben. Die Fassade des Torhauses, in dem über dem Portal die Kommandantenwohnung lag, stammt von 1839, nur der Sandsteingiebel ist älter. Die Hofseite vermittelt einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen. Im 19. Jahrhundert kamen die Kaserne auf der Nordseite und die Magazingebäude im Osten hinzu, in den 1930er Jahren die Bauten der „Heeresgasschutzlaboratorien“, in denen 300 Mitarbeiter an der Weiterentwicklung chemischer Kampfstoffe arbeiteten. Heute wird die Zitadelle von Kultureinrichtungen genutzt – und dient 10 000 Fledermäusen als Winterquartier.

Quellen:

Fotografien: Thomas Gielow – Februar 2012

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