Berlin Kladow

Mit rund 14.000 Einwohnern gehört Kladow zu den Teilen Berlins, die ihren dörflichen Charakter erhalten haben. Der Name wird vom slawischen Wort kloda (‚Baumstamm‘) hergeleitet. Urkundlich erwähnt wurde der Ort erstmals 1267 als Clodow. Archäologisch ist eine Besiedlung in Form eines slawischen Platzdorfes aus dem 9. bis 12. Jahrhundert nachgewiesen. Anderenfalls hätte man eine für die Deutschen Ostsiedlungen typischere Ortsform wie das Angerdorf oder das Straßendorf vorgefunden. Zuziehende Deutsche Siedler übernahmen Ende des 12. Jahrhundert diese slawische Siedlung. Sämtliche Rechte gehörten nun zum Kloster der Spandauer Benediktinerinnen, welche sie vom Markgrafen erhalten haben. Im Landbuch Karls IV. (1375) wird Cladow mit 48 Hufen erwähnt, davon drei Schulzenhufen und acht Pfarrhufen. Eine erstaunliche Anzahl, denn üblicherweise gab es nur vier zum Pfarrgut gehörende landwirtschaftlich genutzte Grundstücke in einer Gemeinde. Es gab vier Kossäten, aber ausdrücklich keinen Krug (taberna). Im Zuge der Reformation verlor das Kloster 1558 seine Patronatsrechte, und das Dorf kam an das Amt Spandau (bis 1872).

Wie die ganze Gegend erlitt auch Kladow im Dreißigjährigen Krieg starke Verwüstungen; sechs Bauernstellen waren verlassen. Ab 1660 unterstand es privaten Grundherren. 1685 erhielt Johannes Kunckel das Lehnschulzengut zur Finanzierung seiner Versuche hochwertiges Glas herzustellen. Der Kurfürst war mit Kunckels Arbeit so zufrieden, dass er ihm im selben Jahr die heutige Pfaueninsel (damals: Pfauenwerder) schenkte. Die Schenkungsurkunde vom 27. Oktober übereignete ihm „erb- und eigentümlich“ die ganze Insel, befreite ihn und seine Mitarbeiter von allen Abgaben und Diensten, erlaubte ihnen zu brauen, zu backen und Branntwein zu brennen sowie eine Windmühle zu bauen, damit sie schroten und mahlen konnten; so brauchten seine Leute die Insel nicht zu verlassen. Dies erleichterte die Geheimhaltung aller Aktivitäten, die auf der Insel geplant waren. Der abgelegene Standort war aber auch ein Schutz gegen die hohe Brandgefahr, die damals von Glashütten ausging. Im 18. Jahrhundert wurden auf königliche Order hin Maulbeerbäume zum Zweck der Seidenraupenzucht gepflanzt. 1744 wurde das Vorwerk Neu-Kladow angelegt, bei dem 1800 ein Gutshaus gebaut wurde. 1808 wurden große Teile des Dorfes durch einen Brand zerstört. Erst 1818 wurde die vermutlich schon im 13. Jahrhundert erbaute Dorfkirche wiederaufgebaut. Im 19. Jahrhundert begann der Zuzug städtischer Bevölkerung. Ein Berliner Bauunternehmer kaufte das Gut Neu-Kladow. Am Havelufer entstanden zahlreiche Villen. Im Rahmen der Schaffung Groß-Berlins wurde 1920 die bis dahin eigenständige Stadt Spandau und ihr Umland samt der Gemeinde Kladow Teil Groß-Berlins. In den Jahren 1934/1935 wurde der Militär-Flugplatz Kladow errichtet, der nach dem Zweiten Weltkrieg dem Ortsteil Gatow zugeordnet wurde und als Flugplatz Gatow neben Tempelhof und Tegel einer der drei Berliner Flughäfen war, die während der Berlin-Blockade die von den Alliierten errichtete Luftbrücke möglich machten.

Heute zeigt sich Kladow als Dorf in der Millionenstadt. Gebäude wie das Gut Neukladow (1800) und die Dorfkirche (1818) datieren zurück bis ins 19. Jahrhundert. Allerdings wurden in Kladow auch viele Neubausiedlungen errichtet wie die 1959/1960 errichtete Finnenhaussiedlung. Das neueste Bauprojekt auf einer südwestlichen Teilfläche des ehemaligen Flugplatzes Gatow (dessen Gelände vollständig zu Kladow gehört) ist die Landstadt Gatow. Mit der Einweihung des neuen Einkaufszentrums Cladow-Center an der Kreuzung des Ritterfelddamms mit dem Kladower Damm hat sich das Leben teilweise aus dem Dorfkern heraus verlagert. Nach wie vor bietet dieser jedoch zahlreiche – teilweise alteingesessene – Geschäfte und Restaurants.
Im aktuellen Sozialatlas von Berlin belegt Kladow den neunten Platz (von 96 Ortsteilen), zählt also (ebenso wie Gatow) zu den „guten Gegenden“ Berlins.

Quellen:

Fotografien: Thomas Gielow – März 2012

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