Junger Wein in Werder/Havel

„Der Werderaner Wachtelberg gehört zu einem der Hügel zwischen dem Lauf der Potsdamer Havel, dem Glindow-See und dem Großen Plessower See. Die von Südost nach Südwest sanft abfallenden Hänge des Berges waren im 17. und 18. Jahrhundert vollständig mit Weinreben bestockt. Schlechte Witterungsbedingungen, die schlechte Marktlage durch Verdrängungswettbewerb aufgrund der Verbesserung der Verkehrsverbindungen und daraus resultierende fallende Preise für Weine aus dem Rheingebiet verdrängten den Weinbau. Auf den bisherigen Rebflächen wurden Obstbäume gepflanzt.

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In den 1950er Jahren wuchsen noch Rebstöcke der Rebsorte Gutedel auf dem Wachtelberg. Viele davon sind im Winter 1955/56 erfroren, aber auch in den 1970er Jahren gab es auf dem verwilderten Berg noch einige Stöcke mit Trauben. Die Flächen waren im Besitz kleinerer Gartenbaubetriebe; sie wurden Anfang der 1960er Jahre im Zuge der Kollektivierung in Gärtnerische Produktionsgenossenschaften (GPG) unter starkem gesellschaftlichen Druck eingegliedert. Die schwierig zu bewirtschaftenden Flächen am Wachtelberg lagen bald brach. Grund war unter anderem der karge Sandboden mit geringen Erträgen in der Obstbaumkultur.

Ab 1983 wurde von der Stadt Werder eine Nutzung der Brachflächen gefordert. Ein erstes Konzept sah die Anpflanzung von Sanddorn, Wildrosen und Wein vor. Im Frühjahr 1984 entschied man sich in der Stadt für die Aufrebung einer Fläche von 4,7 Hektar, um auch an die historischen Wurzeln des Weinbaus in Werder zu erinnern. Mit dieser zukunftsweisenden Grundsatzentscheidung begann die Arbeit und es begannen DDR-typische, aber lösbare Probleme. Bis 1987 wurden 17.200 Pfropfreben der Rebsorte Müller-Thurgau gesetzt, die aus Ungarn und Sachsen besorgt wurden. 3500 Betonpfähle wurden für das Drahtrahmengerüst gestellt. Im September 1987 fand die erste Weinlese auf einem Teilstück der Anlage statt. Gelesen wurden 342 Kilogramm Trauben. In der Sächsischen Winzergenossenschaft entstanden daraus 274 Flaschen Wein. Mitte September 1989 begann die erste Lese von allen Weinstöcken auf dem Wachtelberg. 22.740 Kilogramm Trauben mit einem Mostgewicht von 70° Öchsle wurden geerntet. Ein Teil der Lese wurde bereits im Staatsweingut Kloster Pforta, dem heutigen Landesweingut Kloster Pforta gekeltert.

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Mit der Wiedervereinigung Deutschlands stellte sich die Frage nach Erhalt oder Beseitigung des Weinberges, galt doch automatisch das Deutsche Weinrecht. Im Dezember 1991 wurde in einem Gutachten der Landes-Lehr- und Versuchsanstalten für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau Bad Kreuznach nach weinbaulicher Bewertung die Rebfläche Wachtelberg für erhaltenswert erklärt. Aufgrund seiner Einmaligkeit in der Region wurde dem Weinberg das Prädikat „schutzwürdig“ erteilt. Die Lage sei für den Weinbau geeignet und bei Temperaturverlauf und Sonnenscheindauer in der Vegetationsphase und der Jahresniederschlagsmenge gäbe es keine wesentlichen Abweichungen zu Würzburg oder Ahrweiler. Als Nachteil werden die etwas tieferen Wintertemperaturen und die damit verbundene Möglichkeit von Frostschäden, der spätere Austrieb und die kürzere Vegetationsphase genannt. Die großen Wasserflächen der Havel und die Werder umgebenden Seen bieten dagegen gute Bedingungen für ein Kleinklima, da sie temperaturausgleichend wirken. Als Besonderheit wird der Boden im Gutachten erwähnt. Es handelt sich um nahezu reinen Sandboden, der sehr leicht erwärmbar, aber sehr nährstoffarm und gering wasserspeichernd ist.

1993 stellte sich erneut die Existenzfrage des Weinberges mit der Suche nach einem neuen Eigentümer. Die in Liquidation befindliche GPG Obstproduktion Werder übergab am 28. Juni 1993 kostenlos ihr Eigentum von 17.200 Rebstöcken, dem Gerüst, dem Weinbergsgebäude und einer mehr als anderthalb Kilometer langen Zaunanlage an die Stadt Werder, die daraufhin ihr Interesse am Erhalt des Weinbergs bekundete und ihn an einen Pächter übergab. Nach Rückschlägen durch den Komplettbefall mit falschem Mehltau (Plasmopara viticola) des Weinberges und dem Verlust der Ernte 1995 und Absatzschwierigkeiten durch fehlende Erfahrung bei der Vermarktung gründete sich im November 1995 auf Initiative der Stadt und des Pächters der Verein zur Förderung des historischen Weinbaus im Raum Werder (Havel) e.V. Als neuer Pächter und Vereinsmitglied übernahm der Obstbauberater Dr. M. Lindicke im Januar 1996 den Weinberg, um mit dem Verein an die Tradition des jahrhundertealten Weinbaus an der Havel anzuknüpfen.“

Textauszug: https://de.wikipedia.org/wiki/Werderaner_Wachtelberg

http://weinbau-lindicke.de/weinberg/werderaner-wachtelberg/strausswirtschaft-weintiene/

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